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Kulturwanderung: 11. März
366 historische Anlässe um Kultur mit Kopf oder auch mit den Beinen zu erwandern. Hier der 11. März 1839.Das lustige Studentenleben ging an ihm vorbei. Es fehlte ihm das nötige "Kleingeld" um daran teilzunehmen. Als finanziell gar nichts mehr ging, brach am 11. März 1839 Christian Friedrich Hebbel, der bedeutendste deutsche Dramatiker des 19. Jahrhunderts, zu Fuß von München nach Hamburg auf.
Armut. Weil das Reisegeld fehlte legte Christian Friedrich Hebbel den Weg von München nach Hamburg zu Fuß zurück. Bei Kälte, Schnee und Nässe kehrte Hebbel 1839 nach einem zwanzigtägigen Gewaltmarsch über Göttingen nach Hamburg zurück. Am 11. März 1839 tritt Christian Friedrich Hebbel die Reise nach Hamburg an, die er zum größten Teil zu Fuß zurücklegt, günstige Mitfahrgelegenheiten und eine Fahrt mit der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth - die erst 1835 eröffnet wurde. Am 30. März 1839 trifft er abgerissen und erschöpft in Hamburg ein. Erst als er am 26. Mai 1846 in Wien die Burgschauspielerin Christine Enghaus heiratete, fand er frei von materiellen Sorgen und Nöten die Muße, die er brauchte, um der große Dichter des 19. Jahrhunderts zu werden.
Winterreise.
Wie durch so manchen Ort
Bin ich nun schon gekommen,
Und hab' aus keinem fort
Ein freundlich Bild genommen.
Man prüft am fremden Gast
Den Mantel und den Kragen,
Mit Blicken, welche fast
Die Liebe untersagen.
Der Gruß trägt so die Spur
Gleichgültig-offner Kälte,
Daß ich ihn ungern nur
Mit meinem Dank vergelte.
Und weil sie in der Brust
Mir nicht die Flamme nähren,
So muß sie ohne Lust
Sich in sich selbst verzehren.
Da ruf' ich aus mit Schmerz,
Indem ich fürbaß wandre:
Man hat nur dann ein Herz,
Wenn man es hat für andre.
Autodidakt. Die Armut war Christian Friedrich Hebbel schon in die Wiege gelegt. Als Sohn eines Maurers, der als Tagelöhner arbeitete, wurde Friedrich Hebbel am 18. März 1813 in Wesselburen geboren. Eine vom Vater übernommene und fällig gewordene Bürgschaft trieb die Familie gar aus dem eigenen Haus. Diese Schmach hat der Vater nie überwunden. Nach dessen frühen Tod (1827) kam Hebbel in den Dienst des Kirchspielvogts Mohr, wo er zunächst als Laufbursche, später dann als Schreiber tätig war. Sein Nachtlager musste er mit dem Kutscher in einem Verschlag unter der Bodentreppe teilen. Hebbel nützte die Zeit in der Schreibstube und eignete sich Bildung durch beständiges Lesen autodidaktisch an. Hier fand Hebbel Zeit und Muße, Bücher seines studierten Dienstherrn zu lesen. Hier entstanden auch seine ersten Gedichte.
Die Hamburger Schriftstellerin Amalie Schoppe holte den 22jährigen Hebbel schließlich nach Hamburg und ermöglichte ihm damit den Weg aus dem kleinen Wesselburen in die Welt. Hier lernte er seine Geliebte und Gönnerin Elise Lensing kennen. Nach einem erfolglosen Besuch des Johanneums verließ Hebbel Hamburg, um in Heidelberg ein Jurastudium aufzunehmen. Auch diesen Bildungsgang brach er ab und reiste weiter über Straßburg und Stuttgart nach München, wo er im philosophischen Fach das Doktorexamen anstrebte. Hunger, Krankheit und Geldsorgen ließen ihn nochmals scheitern. Bei Kälte, Schnee und Nässe kehrte Hebbel 1839 nach einem zwanzigtägigen Gewaltmarsch nach Hamburg zurück. Elise Lensing pflegte ihn gesund und arbeitete als Rezensent und Mitarbeiter des "Telegraphen für Deutschland", einem Blatt, das von Karl Gotzkow herausgegeben wurde. Hier schrieb er auch seine ersten Dramen "Judith" und "Genoveva" und fand in Julius Campe einen Verleger.
König Christian VIII. 1843, als das Verhältnis zwischen Dänen und Deutschen eigentlich primär aus nationalistischem Blickwinkel betrachtet wurde, beeindruckte der junge Hebbel sogar den dänischen König Christian VIII., der dem jungen Dramatiker ein zweijähriges Stipendium gewährte das dieser dazu nutzte, seine längst projektierte Tragödie Maria Magdalene zu Papier zu bringen. Während seines Kopenhagener Aufenthalts standen ihm zwei Autoritäten mit Rat und Tat zur Seite, Adam Gottlob Oehlenschläger (1779—1850) und Bertel Thorvaldsen. Eine zweijährige Bildungsreise war ihm durch dieses Stipendium ermöglicht, die ihn nach Paris (hier lernte er Heinrich Heine kennen und den Radikaldemokraten Arnold Ruge), Rom, Neapel und schließlich nach Wien führte. Hier blieb Hebbel dann bis zu seinem frühen Tod. Eigentlich wollte er nach Hamburg zurückkehren, wo Elise Lensing ihm einen zweiten Sohn geboren hatte. Vom Tod des ersten Sohnes hatte er in Paris erfahren.
Wien. Aber Hebbel verliebte sich in die Burgschauspielerin Christine Enghaus, welche er am 26. Mai 1846 heiratete und fand so frei von materiellen Sorgen und Nöten in Wien die Muße, die er brauchte, um der große Dichter des 19. Jahrhunderts zu werden. Zur Zeit der Revolution 1848 zählte der Schriftsteller schon zu den bekannten Persönlichkeiten in Wien. Er verfocht als eifriger Journalist die konstitutionelle Monarchie auf demokratischer Grundlage. Im Revolutionsjahr wurde Hebbel sehr aktiv und trat für den großdeutschen Gedanken auf vielen Versammlungen ein. Schließlich wurde er sogar als Kandidat für die Frankfurter Nationalversammlung aufgestellt, fiel aber bei der Wahl zu seinem Ärger durch.
In diese Zeit fiel auch die Entstehung des Ehedramas "Herodes und Marianne" (1850). Im Jahr 1855 wurde das Drama "Agnes Bernauer" publiziert. In Wien schrieb er auch seine Dramen "Gyges und sein Ring" und die "Nibelungen". 1855 kaufte Hebbel in Orth am Traunsee ein Bauernhaus , in dem er mit Christine und dem Töchterchen Titi die Sommer verlebte und begann sein letztes dramatisches Werk, "Die Nibelungen-Triologie". Trotz der rasch fortschreitenden körperlichen Gebrechlichkeit arbeitete er an der gewaltigen Dichtung weiter, die im März 1860 fertig vorlag. An der Weimarer Hofbühne fand die Uraufführung statt, sie war der letzte Bühnenerfolg Hebbels. Hohe Ehrungen wurden ihm in der Folge zuteil. Aber seine körperlichen Kräfte verfielen. Unter Schmerzen dichtete er am "Demetrius", der aber nicht mehr vollendet wurde. Im November 1863 wurde ihm der Berliner Schillerpreis verliehen. Der sterbenskranke Dichter bemerkte dazu: "Das ist das Menschenlos. Bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher."
Schlafen, schlafen, nichts, als schlafen!
Kein Erwachen, keinen Traum!
Jener Wehen, die mich trafen,
Leisestes Erinnern kaum,
Daß ich, wenn des Lebens Fülle
Nieder klingt in meine Ruh,
Nur noch tiefer mich verhülle,
Fester zu die Augen tu!
Als ihm als Dramatiker und Dichter die öffentliche Anerkennung zuteil wurde, war es fast schon zu spät, obwohl sein bürgerliches Trauerspiel "Maria Magdalena" schon zu Lebzeiten des Dichters zum am häufigsten gespielten Drama wurde. Die Verleihung des Schillerpreises zeigt aber, dass Hebbel bereits zu Lebzeiten anerkannt war. Hebbel bildet den Schlussstein einer Entwicklung des klassischen Dramas, die mit Lessing 1755 einsetzte und mit Hebbel ihren Abschluss fand. Dieses große klassische Drama war Ideendrama, und es war der Tradition des klassischen Dramenaufbaus antiker Dramen verpflichtet. Hebbels brennendstes Anliegen ist die Verkündung der Menschenwürde und der Menschenrechte. Von seinen Zeitgenossen wurde er als der letzte Ritter der Klassik auf dem Weg ins Metaphysische genannt, der noch einmal die geistigen Kräfte und Grenzen des Jahrhunderts testamentarisch und zukunftsverheissend zusammenfasst. Er starb fünfzigjährig in Wien am 13. Dezember 1863 und wurde auch in Wien begraben. - Er gilt als der größte Dramatiker des 19. Jahrhunderts in deutscher Sprache.
Agnes Bernauer. Das Drama "Agnes Bernauer", das den Konflikt zwischen dem Individualrecht auf Freiheit und Liebe sowie der umfassenden Staatsmacht darstellt, wird am 25. März 1852 in München am königlichen Hof- und Nationaltheater uraufgeführt. Des Trauerspiels traurige und wahre Geschichte: Herzog Ernst von Bayern ließ seine Schwiegertochter Agnes Bernauer 1435 in der Donau ertränken.
Der Mord- und Liebesgeschichte liegt ein handfestes Interesse zugrunde. Nach dem Tod Ludwig des Bayern 1347 wurde das Herzogtum auf- und umverteilt. 1392 waren drei Territorien mit Residenzen entstanden: Bayern-Ingolstadt, Bayern-Landshut und Bayern-München. Dort residierte Herzog Ernst in Rivalität zu seinem Bruder Wilhelm III, der jedoch keinen Erben vorweisen konnte. Als Albrecht, Sohn des Herzogs Ernst, sich 1428 unstandesgemäß in die Baderstochter Agnes Bernauer verliebte, sie später heiratete und sogar eine Tochter mit ihr hatte, geriet die Selbständigkeit Bayern-Münchens in Gefahr, weil ein Kind aus dieser Ehe nicht erbberechtigt war und München damit an Landshut oder Ingolstadt gefallen wäre.
Herzog Albrecht III von Bayern-München lernte angeblich Agnes bei einem Turnier in Augsburg kennen und ging mit ihr gegen den Widerstand der herzoglichen Familie eine nicht standesgemäße und heimliche Ehe ein. Das Paar hatte eine Tochter und lebte abwechselnd in Vohburg oder Straubing. Das Problem der nicht "standesgemäßen" Ehe war aber nicht dasselbe das heutige monarchische Überbleibsel und die Regenbogenpresse plagt, sondern ein Problem der Erbfolge in der ohnedies zerstrittenen Familie.
In Straubing ließ Herzog Ernst, der Vater Albrechts, Agnes Bernauer am 12.10.1435 ermorden, nachdem Albrecht unter einem Vorwand aus der Stadt weggelockt worden war. Die Todesart - Ertränken in der Donau - hatte auch symbolische Bedeutung, nämlich als Hexentod. Man stieß die Bernauerin von der Donaubrücke. Angeblich gelang es ihr, die Beinfesseln zu lösen und ans Ufer zu schwimmen. Dort habe der Henker auf sie gewartet und mit einer Stange ihren Kopf solange unter Wasser gedrückt, bis sie ertrunken sei.
Der Geburtsort und die soziale Herkunft der Agnes Bernauer sind nicht belegt. Überliefert wird, dass sie die Tochter eines Badstubenbesitzers und Barbiers aus Augsburg gewesen sein soll. Im Volksmund und im Liedgut wurde aus "Agnes" alsbald eine "Engel". Gerühmt wird die Schönheit der Baderstochter aus Augsburg.
Nicht nur Hebbel hat sich des Stoffes angenommen. Carl Orff schrieb "Die Bernauerin - Ein bairisches Stück, musikalisches Volksschauspiel, 1946 in Stuttgart uraufgeführt und Franz Xaver Kroetz: "Agnes Bernauer", ein Theaterstück, 1976.
Die Aussöhnung des Sohnes mit dem Vater für dessen Mordstat fand auch alsbald statt. Schließlich stand ja die Erbfolge auf dem Spiel. Herzog Ernst stiftete 1436 als Sühne für den Mord an seiner unstandesgemäßen Schwiegertochter eine Messe in St. Peter in Straubing. Er ließ ihr einen Grabstein aus rotem Marmor meißeln und eine eigene Totenkapelle errichten, die Agnes-Bernauer-Kapelle im Friedhof von St. Peter. Herzog Albrecht hingegen erfüllte den Wunsch seines Vaters und schloss 1436 mit Anna von Braunschweig eine standesgemäße Ehe, was das Territorium um ihre Besitzungen vergrößerte.
Die Bernauerin
(Volkslied aus dem 18. Jhdt.)
Es reiten drei Herren zu München hinaus,
Sie reiten wohl vor der Bernauerin Haus:
Bernauerin, bist du darinnen?
Bist du dann darinnen, so reite heraus!
Der Herzog ist draußen vor dem Haus
Mit allem seinem Hofgesinde.
Sobald die Bernauerin die Stimme vernahm,
Ein schneeweißes Hemd zog sie gar bald an,
Wohl vor den Herzog zu treten.
Sobald die Bernauerin vors Tor hinauskam,
Drei Herren gleich die Bernauerin vernahm'n:
Bernauerin, was willst du machen?
Ei willst du lassen den Herzog entweg'n,
Oder willst du lassen dein jung frisches Leb'n
Ertrinken im Donauwasser.
Es stunde kaum an den dritten Tag,
Dem Herzog kam eine traurige Klag:
Bernauerin ist ertrunken.
Auf, rufet mir alle Fischer daher,
Sie sollen fischen bis in das Rote Meer,
Das sie mein feines Lieb suchen.
Es kamen gleich alle Fischer daher,
Sie haben gefischt bis in das Rote Meer,
Bernauerin haben sie gefunden.
Sie legen sie dem Herzog wohl auf den Schoß,
Der Herzog wohl viel Tränen vergoß,
Er tät gar herzlich weinen.
[Letzte Aktualisierung 10.3.13]

























