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Naturfreunde VORARLBERG

Naturfreunde VORARLBERG
Günter Griesser Landesgeschäftsführer, Manuela Kreil Sekretärin
Dr. A. Schneider Straße 19
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Tel: ++43 (0)5574 45781
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Naturfreund 2/2013

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Kids for Nature!

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Ein Naturfreunde-Umweltprojekt von Kindern für Kinder!

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Heinrich Weber - Natura Trail Hegauvulkane – Landschaft geschaffen aus Feuer und Eis

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© Schott Music
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© ub
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In memoriam Karl Amadeus Hartmann von Ingeborg Bachmann

Gelassen wir allesamt
Die unerläßliche Tarnung.
Zuviel übersehen und überhört.
Die Partitur allein kennt
die Fermate.
Blumen darüber. Ein Damals
in Reden gepresst.
Alles ohnehin. Obenhin.
Trauern, das wird,
zwischen vielerlein Tun,
ein einsames Geschäft.
Im Kommen ist
der Wildwuchs
der Schatten.

© http://tamseeg.blogg.de/eintrag.php?id=284
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© nfv -Cover Screenshot
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© nfv -Cover Screenshot
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Karl-Amadeus-Hartmann-Gedächtnisbrunnen - München
© Wikimedia
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© nfv -Cover Screenshot
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Erinnerungstafel an der Seitenwand des Befreiungsdenkmals am Landhausplatz. Die Stadt Innsbruck hat 1970 eine Tafel mit der deutschen Übersetzung und der Entstehungsgeschichte an der Westseite des Denkmals angebracht.
© Nationalsozialismus in Innsbruck (Projekt am Abendgymnasium Innsbruck)
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Im Jänner 2011 wurden an das Befreiungsdenkmal in Innsbruck die Namen von 107 Menschen angebracht, die im Widerstand gegen das NS-Regime ums Leben kamen. Von obane nach unten an 17. Stelle der Name Konrad Tiefenthaler.
© Horst Schreiber - erinnern.at

Kulturwanderung: 28. Jänner

366 historische Anlässe um Kultur mit Kopf oder auch mit den Beinen zu erwandern. Hier der 28. Januar 1947.

Der Komponist Karl Amadeus Hartmann, Mitglied der Widerstandsgruppe "Neu Beginnen"  schreibt am 28. Jänner 1947: "Leider muss man feststellen, dass der Nazigeist bei uns noch überall blüht ... Leider ist der Hitlerismus ein Produkt des deutschen Volkes und nicht, wie man angenommen hat, einer kleinen verbrecherischen Clique ... überall hört man Naziphraseologien." Der Vorarlberger Konrad Tiefenthaler kommt als aktives Mitglied der Gruppe "Neu Beginnen" am 6. August 1942 in Gestapo-Händen in Innsbruck um.


Innere Emigration. Gegen Ende des Krieges wurde Hartmann Zeuge eines Zugs Inhaftierter, die von der SS aus dem Lager Dachau getrieben wurden, damit sie nicht von den sich bereits im Land befindlichen US-Soldaten gerettet werden könnten. Dies Erlebnis verarbeitete er in seiner Sonate "27. April 1945" für Klavier, die er mit folgendem Vorwort versah: "Am 27. und 28. April 1945 schleppte sich ein Menschenstrom von 20.000 Dachauer Schutzhäftlingen an uns vorüber. Unendlich war der Strom - Unendlich war das Elend - Unendlich war das Leid." Die Sonate geht an die Grenzen der Spielbarkeit und lotet somit alle technischen wie gefühlsmäßigen Extreme aus. Ihre zwischen Trauer, Anklage, Zorn und Verzweiflung schwankende Tonsprache legt Zeugnis ab von Hartmanns tief empfundener Humanität, seinem menschlichen Engagement und seiner Anteilnahme an dem Leid der Opfer des Nationalsozialismus.

1945 ist Hartmann 40 Jahre alt. Er ist empört, als die Mär von der "Stunde Null" deutsche Schuld wegspülen soll. Neuer Ungeist bricht sich Bahn. Fast niemand kennt ihn. Er hatte in der inneren Emigration für die Zeit nach der Naziherrschaft "in die Schublade" komponiert. Und doch: Karl Amadeus Hartmann zählt zu den wichtigsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts - auch wenn man seine Werke zu Unrecht selten genug an Gedenktagen würdigt. Der internationale Ruf als engagierter Regimegegner führte 1945 zur Ernennung zum Dramaturgen der bayerischen Staatstheater mit der besonderen Aufgabe, das Interesse an der bisher verfemten zeitgenössischen Musik wiederherzustellen und bedeutende Werke des 20. Jahrhunderts im Konzertleben der Stadt zu rehabilitieren. Die Bestrebungen, das Publikum nicht nur mit den Werken der klassischen Moderne, sondern auch mit der herausfordernden neuesten Musik junger, aufstrebender Komponisten vertraut zu machen, waren der Ursprung der Musica-Viva-Konzerte, die Modell für zahlreiche ähnliche Veranstaltungen im In- und Ausland standen und deren Leitung Karl Amadeus Hartmann bis zu seinem Tode innehatte. Die "musica viva" setzt als erfolgreichste Konzertreihe für Neue Musik die Ideen Karl Amadeus Hartmanns bis heute fort.

Deutsche Zustände. Aber noch am 28. Jänner 1947 schreibt er über die deutschen Zustände an den Dirigenten Hermann Scherchen: "Leider muss man feststellen, dass der Nazigeist bei uns noch überall blüht. Die Naziideologie hat sich in das deutsche Volk sehr tief hineingefressen. Leider ist der Hitlerismus ein Produkt des deutschen Volkes und nicht, wie man angenommen hat, einer kleinen verbrecherischen Clique. Beim Eisenbahnfahren, beim Anstehen um etwelche Dinge, im Theater, im Konzert, im Kino, sogar in Ämtern, überall hört man Naziphraseologien. Geschimpft wird auf die Ausländer, die Juden, die Besatzungsmächte. Der Antisemitismus hat sich in der Temperatur bis heute gut gehalten. Das Los der Antifaschisten ist ein schweres, und glücklicherweise haben wir eine Besatzung, sonst ginge es diesen allen an den Kragen."

 

Neben seinem umfangreichen kompositorischen Schaffen, das Bühnenwerke gleichermaßen umfasst wie Orchester- und Kammermusik, engagierte er sich in herausragender Weise für die Neue Musik des 20. Jahrhunderts. Während des Dritten Reichs verweigerte er sich den Nationalsozialisten, wurde mit einem Aufführungsverbot belegt und komponierte seine Musik fortan als "Gegenaktion", wie er es selbst bezeichnete. Seine symphonische Tondichtung "Miserae" widmete er den Gefangenen des KZ Dachau: "meinen Freunden, die hundertfach sterben mussten", schrieb er in der Widmung des 1935 in Prag uraufgeführten Werkes. Darüber hinaus half er jüdischen Freunden und war Mitglied der Widerstandsbewegung "Neu Beginnen".

Neu Beginnen. Die Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" ging aus einer Gruppe ehemaliger Kommunisten und dem linken Flügel der sozialdemokratischen Jugendgruppen hervor, die sich 1929 unter Führung Walter Löwenheims ursprünglich mit dem Ziel der Wiedervereinigung von SPD und KPD zusammengeschlossen hatten. Sie kritisierte das Versagen der Arbeiterparteien gegenüber dem Faschismus und forderte eine Zusammenarbeit aller Gruppen gegen diesen. 1933 ging "Neu Beginnen" ohne große Umschweife in die Widerstandsarbeit über. Im August 1933 veröffentlichte Löwenheim in Karlsbad im Graphia-Verlag des sozialdemokratischen Exil-Parteivorstands in Karlsbad unter dem Pseudonym "Miles" die programmatische Schrift "Neu Beginnen!", die nicht nur eine scharfsinnige Analyse des nationalsozialistischen Aufstiegs in Deutschland beinhaltete, sondern ebenso eine Abrechnung mit den Fehlern der großen Arbeiterparteien und den Aufruf zur Bildung einer neuen revolutionären marxistischen Partei. Die Schrift fand in- und außerhalb Deutschlands große Aufmerksamkeit und führte zur Bildung zahlreicher Zellen und Zirkel im Reich, von denen einige noch bis 1944 existierten. Dieser Organisation gelang es, Verbindungen mit anderen Städten im Ausland zu schaffen und sie konnte im Mai 1933 in Prag ein Auslandssekretariat einrichten.

"Neu Beginnen" übte auf die illegalen sozialistischen Gruppen in Süddeutschland und Österreich eine große Anziehungskraft aus, weil diese neue Strategie den Erfahrungen entsprach, die sie tagtäglich im Untergrund machten: Der Nationalsozialismus war keine "Eintagsfliege", er stützte sich auf breite Volksschichten. Mit Flugblättern war ihm nicht beizukommen. Drei Münchner Kreise fühlten sich seit 1934 der Organisation zugehörig: Eine kleine Gruppe im Osten um Karl Dörschuk, die von der Polizei nie entdeckt wurde; dann das Ehepaar Gottlieb und Lotte Branz, das oft zu dem sozialdemokratischen Grenzsekretär Waldemar von Knoeringen in die Tschechoslowakei reiste; und schließlich die Gruppe um Hermann Frieb, die für "Neu Beginnen" am wichtigsten werden sollte.

Knoeringen hatte durch seine Kontakte zu den illegalen Gruppen rasch erkannt, dass die unvorsichtigen und meist wirkungslosen propagandistischen Aktionen - "Massenagitation" um geschmuggelte Schriften an möglichst viele Menschen zu verbreiten - die sozialistische Aufbauarbeit im Untergrund nur gefährdeten. Er war sich auch mit seinen Münchner Freunden darüber einig, dass es nun weniger auf propagandistische Außenwirkung ankam, als auf behutsame und konspirativ gründlich abgesicherte Vorbereitung auf die Stunde, in der das NS-System Schwäche zeigen würde. Besonders wichtig wurde die politische und wirtschaftliche Berichterstattung für "Neu Beginnen", weil man anhand dieser Berichte den Zeitpunkt analysieren wollte, wann das NS-Regime seinen Rückhalt verlieren würde und man mit der Revolution beginnen könne. Frieb - ursprünglich aus Österreich - entwickelte sich zum führenden Kopf und Koordinator aller Gruppen in Südbayern und Österreich. Er legte ein Waffenlager an und entwarf Aktionspläne für die Stunde der Revolution.

 

Erst 1942 deckte die Gestapo die Gruppenzusammenhänge auf und Frieb wurde mit anderen hingerichtet. Die sonst so "effektiven" Beamten der Gestapo, des SD oder anderer Instanzen waren immer in besonderem Maße überfordert, wenn es um die Überwachung und Verfolgung von kleinen, konspirativ verfassten Gruppen ging. Dazu gehörte eben auch die Gruppe "Neu Beginnen", die zwischen 1933 und 1945 "Berichte über die Lage in Deutschland" im Ausland erstellte und deshalb auch in den Meldungen der staatlichen Verfolgungsbehörden Erwähnung findet. Sie verursachte den Gestapo-Sachbearbeitern immer besondere Probleme. Die Verwirrung der Beamten spiegelte sich deutlich darin, dass sie in ihren Akten hinter dem Pseudonym "Miles" "Carl Franck" und nicht Walter Loewenheim, der Gründer von "Neu Beginnen". "Carl Franck" in Wirklichkeit Karl Frank, der auch unter dem Namen Paul Hagen und Willi Müller bekannt war, war der eigentliche Chef der Auslandsarbeit von "Neu Beginnen". Unentdeckt blieb u. a. auch Fritz Erler, der nach 1945 eine wichtige Rolle spielte, er konnte den Widerstand aus der Illegalität fortsetzen. Gedanken und Ziele von "Neu Beginnen" sind 1945 von autonomen antifaschistischen Gruppen aufgegriffen worden, die unmittelbar vor und nach Kriegsende in ganz Deutschland auftraten, jedoch bald von den Besatzungsmächten aufgelöst wurden.

 

"Neu Beginnen" mit Konrad Tiefenthaler aus Nenzing. Mitte der 1920er Jahre wurde Konrad Tiefenthaler (*26.11.1897 in Nenzing;† 6.8.1942 in Innsbruck) von Vorarlberg in die Bundesbahndirektion als Verwaltungsbeamter nach Innsbruck versetzt, weil er wegen seines Engagements in der Sozialdemokratischen Partei unliebsam aufgefallen war, als Eisenbahnergewerkschafter und Sozialdemokrat.Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er mit gekürzten Bezügen zwangspensioniert, da er als einer der führenden Eisenbahnergewerkschafter bekannt war. Tiefenthaler fand schließlich Verwendung im Vorstand des "Konsums". Acht Tage lang saß er während des Austrofaschismus im Landesgericht Innsbruck in Haft. Während des Austrofaschismus betätigte sich Tiefenthaler bei den Revolutionären Sozialisten im Untergrund und stellte Verbindungen mit Sozialdemokraten in Wien, Salzburg, Wörgl und Süddeutschland her und leistete Fluchthilfe über die Grenze in die Schweiz.

 

Deshalb bemühte sich der bayrische Sozialdemokrat Waldemar von Knöringen (* 6.10.1906; † 2.7.1971) erfolgreich, ihn als Stützpunktleiter seiner antinationalsozialistischen Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" in Innsbruck zu gewinnen. Ab 1933 war von Knoeringen bereits Mitglied dieser Widerstandsgruppe und lebte von Vorträgen, die er größtenteils vor der Sozialdemokratischen Partei Österreichs hielt. Er musste nach der Ausschaltung der Demokratie durch Dollfuß und dem Verbot der Sozialdemokraten und Auflösung der Gewerkschaften aus Österreich in die Tschechoslowakei fliehen, wo er von Prag aus die Inlandsarbeit von "Neu Beginnen" leitete und die Widerstandsarbeit eines Netzwerkes von 13 Stützpunkten und Gruppen im bayerischen und österreichischen Raum koordinierte.

 

Im Dezember 1938 trat Tiefenthaler der NSDAP bei, engagierte sich aber weiterhin im Widerstand. Zunächst wurde er speziell über seine alten Gewerkschaftskontakte zu Eisenbahnern in Österreich und Deutschland aktiv, ab Herbst 1941 verstärkt in der Gruppe "Neu Beginnen".

 

Im Frühjahr 1942 rollte die Gestapo von Salzburg her die Widerstandsgruppe auf. Es kam zu rund 200 Verhaftungen. Unter diesen war auch Konrad Tiefenthaler. Die Gestapo und verhaftete ihn am 2. Juli 1942 und brachte ihn ins Landesgerichtliche Gefängnis. In der Innsbrucker Gestapozentrale in der Herrengasse wurde Konrad Tiefenthaler gefoltert. Trotz Folter wird er im Gestapo-Bericht vom 8. Dezember 1942 noch immer als "fanatischer und verbohrter Gegner des Nationalsozialismus" bezeichnet. Bei einem dieser Verhöre dürfte er am 6. August 1942 zu Tode gequält worden sein. Als offizielle Todesursache wurde von den Nazi-Schergen Selbstmord durch Erhängen in seiner Zelle im landesgerichtlichen Gefängnis in Innsbruck angegeben.


Karl Amadeus Hartmann. Er wurde am 2. August 1905 in München geboren, wo er auch seine musikalische Ausbildung erhielt. Während der nationalsozialistischen Zeit lebte Hartmann in der "inneren Emigration" und komponierte ohne Aussicht auf Aufführungen. 1941 und 1942 vervollständigte er seine Ausbildung bei Anton von Webern. Nach 1945 wurde Hartmann vor allem als Symphoniker bekannt. Er gründete und organisierte in München die Konzertreihe musica viva, die für die musikalische Entwicklung nach 1945 von großer Bedeutung war. Karl Amadeus Hartmann starb am 5. Dezember 1963 in München.         

Hartmanns Stil war zunächst von der expressionistischen Musik der zwanziger Jahre geprägt. Später kamen insbesondere neobarocke und neoklassizistische Elemente hinzu. Im Zentrum seines Schaffens stand die Form der großen Symphonie, was ihn nach 1945 in einen Gegensatz zur Avantgarde brachte. Seine Werke umfassen acht Symphonien sowie weitere Orchesterwerke, ein Violinkonzert (Concerto funebre, 1940), die Oper Des Simplicius Simplicissimus Jugend (1935-1956), die Kantate Lamento (nach Gryphius, 1937), die unvollendete Gesangsszene Sodom und Gomorrha (nach Giraudoux, 1963), Klavier- und Kammermusik (u. a. zwei Streichquartette).   

 

[Letzte Aktualisierung 31.1.13]