Hier bitte gewünschtes Portal auswählen:
Sie befinden sich am Portal
Naturfreunde VORARLBERG

Naturfreunde VORARLBERG
Günter Griesser Landesgeschäftsführer, Manuela Kreil Sekretärin
Dr. A. Schneider Straße 19
6900 Bregenz
Tel: ++43 (0)5574 45781
Email: vorarlberg@naturfreunde.at
ZVR: 944939968

NATURFREUNDE TIPPS

Naturfreund 2/2013

Cover_1.jpg
Das Frühlingsheft lockt mit dem Bike in die Natur und hat auch sonst jede Menge tolle Freizeittipps zu bieten!

Lage- und Evaluierungsbericht 2012 für das BMWFJ

Padasterjochhaus3.jpg
Die Naturfreunde stellen für die alpine Infrastruktur in Österreich 170 Schutzhütten und 15.000 Kilometer Wander- und Bergwege, sowie Klettersteige zur Verfügung. Sie alle werden von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen mit großem Arbeitseinsatz erhalten.

Kids for Nature!

Titelbild_Kid_for_Nature.jpg
Ein Naturfreunde-Umweltprojekt von Kindern für Kinder!

NaturaTrail Hegau

Bild_Naturatrail.jpg
Heinrich Weber - Natura Trail Hegauvulkane – Landschaft geschaffen aus Feuer und Eis

Folder "Eine strahlende Zukunft mit Atomkraft? NEIN, DANKE!"

SetHeight425-081015NFIAtomkraftCover.jpg
Dieser Folder stellt Pro-Atomkraft-Argumente den Fakten gegenüber. Jetzt kostenlos anfordern.
<  >
Alt-nordstrand_auf_bleau-karte.jpg
© Wikimedia
LageRungholt.png
Lage des versunkenen Rungholt
© Wikimedia
300px-Storm__T.__1888_.jpg
© Wikimedia
Schimmelreiter.JPG
© nfv -Cover Screenshot
Detlev.von.liliencron.jpg
Detlev von Liliencron
© Wikimedia
storm_Theodor_210_280.jpg
Theodor Storm
© Wikimedia

Kulturwanderung: 16. Jänner

366 historische Anlässe um Kultur mit Kopf oder auch mit den Beinen zu erwandern. Hier der 16. Januar 1219

Der 16. Januar ist im katholischen Kalender dem Heiligen Marcellus gewidmet. Nach ihm benennen sich die von Storm und Liliencron literarisch verarbeiteten Marcellusfluten vom 16. Januar 1219 und 16. Januar 1362. Eine Sturmflut wischte die Stadt Rungholt weg. Die Chroniken reden von 100.000 Opfern.  Um diese "Atlantis der Nordsee" ranken sich unzählige Mythen. Der Ort soll reich wie Rom, der Untergang eine Strafe Gottes gewesen sein.


Tsunami. Flutwellen waren Stoff für Schriftsteller wie Theodor Storm und Liliencron. In ihrer Heimat spielten Flutwellen immer eine Rolle. Am 16. Jänner 1362 wischte eine Sturmflut die Stadt Rungholt weg. Die Chroniken reden von 100.000 Opfern. Es war nicht die einzige verhängnisvolle Flut. Bezeugt ist auch eine Flut vom 16.1.1219 - die erste die der Überlieferung nach 36.000 Menschen das Leben kostete. Nach dem Kalendertag wurde sie als die (erste) Marcellusflut benannt. Die Sturmflut, welche die Stadt Rungholt am 16.1.1362 versinken ließ, war nach dieser Namensgebung die zweite Marcellusflut. In den Chroniken wird sie aber als "de grote Mandrenke" (die große Manntränke) erwähnt. Das sind aber nur zwei der Fluten, die das Gebiet der westlichen Nordseeküste heimsuchten. Ganze Städte - wie Rungholt - verschwanden und die Landkarte der Küste veränderte sich rasant. Schon eine Flutwelle zwischen 120 und 115 v. Chr. an der Westküste der jütischen oder cimbrischen Halbinsel ist belegt. Die dortigen Volksstämme der Cimbern, Teutonen und Ambronen soll diese Flutwelle zum Verlassen der Heimat bewegt haben. Ein Beginn der Völkerwanderung. Jedenfalls erinnert der Name Amrum noch an die Ambronen.

Der Schimmelreiter.  Von Theodor Storms Prosawerken gilt  "Der Schimmelreiter" als die bedeutendste Leistung des Husumer Dichters. Die Flutwellen, eigenes Erleben (Storm hatte zwei Flutwellen miterlebt) und Überlieferung spielen den Hintergrund für die Geschichte. Auch in anderen Werken erinnert dieses eigene Erleben.

Schon als Kind zeigt der ungewöhnlich begabte Hauke Haien Interesse an der Deichbaukunst. Er tritt als Knecht in die Dienste des alten Deichgrafen und wird bald zu dessen rechter Hand. Kurz nachdem der alte Deichgraf gestorben ist, heiratet Hauke die Tochter. Dadurch gelingt ihm der gesellschaftliche Aufstieg vom einfachen Knecht zum neuen Deichgrafen, doch das schafft ihm einige Neider. Als er den Bau eines sichereren Deiches durchsetzt, der ein verbessertes, von ihm ersonnenes neuartiges Profil erhalten soll, schlägt ihm aus dem Dorf Neid, Konservatismus und Aberglaube entgegen. Ihr Aberglaube wird noch genährt, als der Deichgraf einen lahmen Schimmel kauft, der unter seinen Händen prächtig gedeiht. Während des Deichbaus verstärkt sich der Widerstand. Der Aberglaube lässt ihn und seinen Schimmel in den Augen der Dorfbevölkerung zu einer unheimlichen Gestalt werden.

Zermürbt von der Feindseligkeit, übersieht er einen Schaden am Deich. Die nächste Sturmflut bringt die Katastrophe. In einem Oktober jagt der Deichgraf auf seinem Schimmel zum Deich hinaus, der von einem schweren Unwetter bedroht wird. Um den alten Damm zu retten, müsste er den neuen einreißen, was er aber verweigert. Da bricht der alte Damm, und Hauke muss zusehen, wie seine Frau und sein Töchterchen in den Fluten umkommen. Daraufhin stürzt er sich mit seinem Schimmel selbst in die Fluten. Im Aberglauben der Deichbewohner lebt er aber weiter als "Schimmelreiter", der bei drohendem Unheil auf dem Deich zu sehen ist.

Trutz Blanke Hans. "Ich bin heut' über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor 600 Jahren" schrieb Detlef von Liliencron 1882 , als er in der Gegend des Wattenmeeres unterwegs war. Sein Gedicht hat einen historischen Hintergrund, der auch in Storms "Schimmelreiter" die wesentliche Rolle spielt: Der größte Teil des Wattenmeeres liegt in einem Bereich von ca. zwei Metern Tidenunterschied (Differenz zwischen Ebbe und Flut). Ursprünglich war die Gegend der heutigen Halligen und der Inseln Föhr, Pellworm und Nordstrand ein zusammenhängendes Gebiet, die "Uthlande" und dies Gebiet wurde seit ca. 1000 v. Chr. besiedelt. Auf Pellworm wird Liliencron gerne als der "Heimatdichter" angesehen, obwohl er nur sehr kurze Zeit auf der Nordseeinsel lebte. Der Dichter setzte während seines Aufenthaltes in Husum in seinem Lied "Trutz, blanke Hans" (Heut bin ich über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor fünfhundert Jahren) der Stadt ein poetisches Denkmal. Dabei übertrieb er jedoch die Bedeutung des Ortes maßlos. Die heutige Bekanntheit des Ortes in ganz Deutschland geht hauptsächlich auf seine Ballade zurück; zuvor war Rungholt nur eine lokale Legende. "Trutz Blanke Hans" lässt vor dem geistigen Auge einen Tsunami auferstehen:

 

Heute bin ich über Rungholt gefahren,

            die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren.

            Noch schlagen die Wellen da wild und empört

            wie damals, als sie die Marschen zerstört.

            Die Maschine des Dampfers schütterte, stöhnte,

            aus den Wassern rief es unheimlich und höhnte:

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Von der Nordsee, der Mordsee, vom Festland geschieden,

            liegen die friesischen Inseln im Frieden,

            und Zeugen weltenvernichtender Wut,

            taucht Hallig auf Hallig aus fliehender Flut.

            Die Möwe zankt schon auf wachsenden Watten,

            der Seehund sonnt sich auf sandigen Platten.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Mitten im Ozean schläft bis zur Stunde

            ein Ungeheuer, tief auf dem Grunde.

            Sein Haupt ruht dicht vor Englands Strand,

            die Schwanzflosse spielt bei Brasiliens Sand.

            Es zieht, sechs Stunden, den Atem nach innen

            und treibt ihn, sechs Stunden, wieder von hinnen.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Doch einmal in jedem Jahrhundert entlassen

            die Kiemen gewaltige Wassermassen.

            Dann holt das Untier tiefer Atem ein

            und peitscht die Wellen und schläft wieder ein.

            Viel tausend Menschen im Nordland ertrinken,

            viel reiche Länder und Städte versinken.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Rungholt ist reich und wird immer reicher,

            kein Korn mehr fasst selbst der grösseste Speicher.

            Wie zur Blütezeit im alten Rom

            staut hier alltäglich der Menschenstrom.

            Die Sänften tragen Syrer und Mohren,

            mit Goldblech und Flitter in Nasen und Ohren.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Auf allen Märkten, auf allen Gassen

            lärmende Leute, betrunkene Massen.

            Sie ziehn am Abend hinaus auf den Deich:

            "Wir trutzen dir, Blanker Hans, Nordseeteich !"

            Und wie sie drohend die Fäuste ballen,

            zieht leis aus dem Schlamm der Krake die Krallen.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Die Wasser ebben, die Vögel ruhen,

            der liebe Gott geht auf leisesten Schuhen,

            der Mond zieht am Himmel gelassen die Bahn,

            belächelt den protzigen Rungholter Wahn.

            Von Brasilien glänzt bis zu Norwegs Riffen

            das Meer wie schlafender Stahl, der geschliffen.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Und überall Friede, im Meer, in den Landen.

            Plötzlich, wie Ruf eines Raubtiers in Banden:

            das Scheusal wälzte sich, atmete tief

            und schloss die Augen wieder und schlief.

            Und rauschende, schwarze, langmähnige Wogen

            kommen wie rasende Rosse geflogen.

            Trutz, Blanke Hans!

 

            Ein einziger Schrei- die Stadt ist versunken,

            und Hunderttausende sind ertrunken.

            Wo gestern noch Lärm und lustiger Tisch,

            schwamm andern Tags der stumme Fisch.---

            Heut bin ich über Rungholt gefahren,

            die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren.

            Trutz, Blanke Hans!


Himmel und Erden erzürnt: Vorarlberger Naturkatastrophen. Die stete Bedrohung durch elementare Naturgewalten wie Lawinen, Muren und Überschwemmungen hat seit jeher das Leben im alpinen Raum geprägt. Der Respekt vor der Macht der Natur und die vielfältigen Bemühungen, sich davor zu schützen – durch technische Vorrichtungen ebenso wie durch Beschwörungen, Gebete, Wallfahrten, Mythen und Sagen und der Suche nach Schuldigen für die Erzürnung Gottes.

 

Denn immer war es bis zur Aufklärung im Glauben der Menschen der Wille Gottes, zumindest Prüfung, häufig auch Strafe:

 

„Gott der Allmächtige hat am zweyten, dritten und vierten Tag Februar 1689 einen so großen Schnee fallen lassen, dass in unserem Tal Muntafon viele Menschen und Vieh durch die herabfallende Lawine neben viel Häuser, Ställ, Speicher, Bäume und andere Gemächer zugrund gegangen sind. Auch viele Güter grausam verderbt geworden.“ (Abschrift aus einer Vorarlberger Chronik des Lawinenwinters 1689) 


In diesem Lawinenwinter starben in Montafon 120 Menschen.

Ins gleiche Horn bläst die Vorarlberger Sage "Die verwüst' Alp" (Richard Beitl, Neue Sagen aus Vorarlberg) und stellt einen Konnex zu den oben geschilderten Marcellusfluten her:

 

"In dieser Gegend sei es aber nicht immer so unwirtlich gewesen. Einmal sollen dort drei schöne Alpen gewesen sein. Da sei einmal ein Mann gekommen und habe um Almosen gebeten. Zwei Sennen reichten dem Armen eine Gabe, der dritte aber, ein übermütiger Mensch, füllte dem Bettler sein Häfelein mit Kuhmist und tat nur zu oberst ein bißchen Butter drauf. Der Frevler brauchte aber auf die Strafe nicht zu warten. Der Bettler ging in die anderen Hütten und sagte den beiden barmherzigen Sennen, sie sollten fliehen so schnell sie könnten mit dem Vieh und aller Habe, denn die Alpen seien dem Untergang geweiht."

 

Über ein Erdbeben in Feldkirch wird in der Prugger'schen (Vorarlberg) Chronik (Feldkirch 1685) berichtet:

 

„Anno 1117 wäre den menschen himmel und erden erzürnet, indem ein solcher ersehröcklicher erdbidem entstanden und die gegend (Feldkirch?) also erschittet, dass vil häuser eingefallen"


Freilich wurden als Schuldige auch häufig Sündenböcke ausgemacht. Schuldzuweisung an andere, vor allem an Außenseiter der Gesellschaft wie Juden, als Hexen diffamierte und verfolgte Frauen. Die Vorarlberger Hexengeschichte ist reich an Beispielen, wie die Vorarlberger Historiker Tiefenthaler und Tschaikner zeigen.


Die Katastrophen schlagen sich selbstredend auch in der Kultur nieder. Zuletzt haben wir ja noch die Verfilmung des Lawinenwinters 1954 in Blons (Der Atem des Himmels) durch Reinhold Bilgeri in Erinnerung. Auch in Franz Michael Felders Sonderlingen spielt ein Lawinenunglück ein wichtige Rolle. Freilich hatte der aufgeklärte Vorarlberger "Bauernschriftsteller",  der sich dem klerikalen Ultramontanismus widersetzte, gegen Unglücke eine verstandesgemäße Lösung. Er organisierte Brand- und Viehversicherungen und Genossenschaften.

 

Theodor Storm. Er (*14. September 1817 Husum; +4. Juli 1888 Hademarschen bei Rendsburg) wurde am 14.9.1817 als erstes Kind des Justizrats Johann Casimir Storm (1790-1874) und seiner Frau Lucie, geb. Woldsen (1797-1879) in Husum geboren. Mütterlicherseits gab es enge Beziehung zur alten Patrizierkultur der Handelsstadt Husum. Er besuchte die Gelehrtenschule in Husum, dann ein Gymnasium in Lübeck. Anschließend studierte er von 1837-1842 Jura in Kiel und Berlin und wurde 1843 Rechtsanwalt in Husum. 1847 veröffentlicht Theodor Storm die erste Prosa: Marthe und ihre Uhr. Es folgen in unregelmäßigen Abständen Veröffentlichungen von Prosa oder Gedichten.

Politische Ereignisse bestimmten die nächsten Jahre seines Lebens. Storm, infolge der damaligen politischen Konstellationen als Däne geboren, hatte sich bereits 1840 in Kiel der schleswig-holsteinischen Volksbewegung gegen die dänische Vorherrschaft angeschlossen. Als nach dem Friedensschluss von 1850 zwischen Preußen, Österreich und Dänemark, durch den Schleswig und Holstein dem dänischen Staat einverleibt wurden, kann er ab 1852 seine Tätigkeit als Rechtsanwalt nicht weiter ausüben. Theodor Storm verlässt deshalb 1852 seine Heimat und zieht nach einer Ernennung zum preußischen Assessor in Berlin nach Potsdam. 1856 wechselt er als Kreisrichter nach Heiligenstadt. 1864 marschierten preußische und österreichische Truppen in Schleswig ein. Im Friedensvertrag von Wien trat daraufhin Dänemark alle Rechte auf Schleswig und Holstein an die beiden deutschen Mächte ab. In einer spontanen Versammlung von Husumer Bürgern wurde der dänische Landvogt abgesetzt und Storm zum neuen Landvogt ausgerufen. Im März 1864 kehrte Storm nach Husum zurück. 1867 wird Theodor Storm zum Amtsrichter berufen; 1874 erfolgt seine Ernennung zum Oberamtsrichter. Im selben Jahr schreibt er unter anderem Pole Poppenspäler. 1876 erscheint Aquis submersus. 1880 wird Theodor Storm pensioniert; er zieht nach Hademarschen um. Dort beendet er am 9. Februar den Schimmelreiter. Am 4. Juli stirbt Theodor Storm in Hademarschen.

 

Storm gilt als Hauptvertreter des poetischen Realismus. Seine Lyrik steht zwischen Spätromantik und Realismus und kreist um die heimatliche Landschaft sowie Liebe und Ehe. Unmittelbarkeit des Gefühls, Musikalität der Sprache und wehmütige Stimmung kennzeichnen seine Verse. Als lyrischer Stimmungskünstler erweist er sich auch in seinen 58 Novellen. Sein Spätwerk "Der Schimmelreiter", das vom Kampf eines dämonischen Menschen gegen die Elemente berichtet, führt an die Grenzen von Mythos und Psychologie. Sein Werk wurde wegweisend für den Impressionismus und Neuromantik.

Detlev Freiherr von Liliencron. Friedrich Adolf Axel Freiherr von Liliencron wird am 3. Juni 1844 als Sohn eines dänischen Zollbeamten im damals noch dänischen Kiel geboren. Den in den amtlichen Zeugnissen fehlenden Vornamen Detlev legt sich der angehende Dichter 1879 eigenmächtig zu. Nach dem Abbruch des Gymnasiums besucht er die Realschule in Erfurt und eine Berliner Kadettenschule. Als Offizier dient er in der preußischen Armee und nimmt Teil am preußisch – österreichischen Krieg (1866) und auch am deutsch- französischen Krieg (1870/1871). Danach verlässt er die Armee aufgrund seiner hohen Verschuldung, um nach Amerika auszuwandern. Sein Versuch, in die US-Army aufgenommen zu werden, misslingt. Nach seinem Amerika – Aufenthalt (1875 – 1877), wo er den Lebensunterhalt als Sprachlehrer, Zureiter, Klavierspieler und Maler zu bestreiten versucht, kehrt er nach Hamburg zurück und arbeitet als Gesangslehrer in Hamburg. Fünf Jahre später wird er in den Verwaltungsdienst aufgenommen und 1882/83 Hardesvogt auf der nordfriesischen Insel Pellworm. Doch wegen seiner hohen Verschuldung muss er auch dieses Amt quittieren. Danach ist er freier Schriftsteller in München, Berlin und Altona. Von 1889-1899 lebte er in Ottensen bei Hamburg. Am 22. Juli 1909 stirbt Detlev v. Liliencron in Alt-Rahlstedt bei Hamburg an einer Lungenentzündung.

"Damals war Liliencron mein Gott", erinnert sich Gottfried Benn in einem Gedicht. Nicht nur für Benn war Liliencrons Poesie eine bestimmende Erfahrung, sondern für eine ganze Generation der deutschen Literatur um 1900. Hofmannsthal ließ sich von Liliencron anregen und der junge Thomas Mann rühmte Liliencrons Verse als "erste Offenbarung des Realismus". Morgenstern schrieb ihm: "Wie geht mein Herz bei deinen Liedern auf" und dem jungen Rilke war er ein Förderer. Bis heute gilt Liliencron als eine zentrale Gestalt der deutschen Poesie zwischen Impressionismus, Naturalismus und Expressionismus.

 

[Letzte Aktualisierung 15.1.13]